Variantenvergleich

Die Kosten des heutigen Energiesystems sind in Tabelle 1 zusammengestellt. Sie belaufen sich auf 12,1 Mia. CHF/a. Dabei wurden nur die reinen Energiekosten für Strom, fossile Energieträger und Biomasse berücksichtigt. Steuern und Konzessionsabgaben wurden bei der Kostenberechnung nicht berücksichtigt.

Mit 8,0 Mia. CHF werden die Kosten durch die Kosten der fossilen und biogenen Energieträger dominiert. Die Stromproduktion kostet mit 4,1 Mia./a lediglich rund die Hälfte.

Verbrauch/
Produktion
Jahr-
2019
[TWh/a]
Diff.

[TWh/a]
Jahr-
2050
[TWh/a]
Sommer

[%]
Sommer

[TWh/a]
Winter

[%]
Winter

[TWh/a]
Investi-
tion
[GCHF]
Strom-
Kosten
[CHF/MWh]
Jahres-
kosten
[GCHF/a]
Bedarf-65.60.0-65.646.3-30.453.7-35.20.08.0
Stromverbrauch-65.60.0-65.646.3-30.453.7-35.20.00.0
Energieträger0.00.00.00.00.00.08.0
Kerosinimport0.00.00.00.00.00.00.0
Produktion71.90.071.954.939.545.132.40.0574.1
Kernkraftwerke25.30.025.348.012.152.013.10.0481.2
Wärmekraftwerke3.70.03.750.51.949.51.90.0810.3
Wasserkraftwerke40.60.040.658.923.941.116.70.0572.3
Restwasser0.00.00.052.00.048.00.00.000.0
Gebäude-PV2.20.02.270.21.529.80.60.01210.3
Windenergie0.10.00.133.00.067.00.10.0880.0
Saldo6.30.06.39.1-2.80.012.1
Tabelle 1: Kosten des heutigen Energiesystems (Kosten in Mia. CHF).

Die Kenndaten der verschiedenen Produktionsvarianten sind in Tabelle 2 zusammengestellt. Die aufgeführten Kosten beinhalten die reinen Produktionskosten für den benötigten Strom, die Kosten für Biomasse abzüglich der Kosten für die ersetzten fossilen Energieträger, die Kosten für die Negativemissionen sowie Mehrkosten für den Ersatz von Heizungen und Verbrennerfahrzeugen. Die Kosten des Stromnetzes und der Energieverteilungsinfrastruktur sind nicht enthalten.

Tabelle 2: Variantenvergleich (Kosten in Mia. CHF).

VarianteAkzep-
tanz-
grad
Kerosin-
prod.
Land-
schafts-
störung
Sommer-
saldo
[TWh/a]
Winter-
saldo
[TWh/a]
Investi-
tion
[GCHF]
Jahres-
kosten
[GCHF/a]
Mehr-
kosten
[GCHF/a]
Pro
Person
[GCHF/a]
Status QuoHochAuslandKlein9.1-2.8012.10.00
DachsolarHochAuslandKlein51.6-10.033725.313.21’537
WinterstromTiefAuslandGross4.50.020318.76.6770
SaisonspeicherungTiefAuslandGross0.00.037026.914.81’724
SelbstversorgungTiefInlandGross-0.10.133121.19.01’051
WiedereinstiegTiefInlandKlein0.00.013415.13.0354
Tabelle 2: Variantenvergleich (Kosten in Mia. CHF).

Die Kosten aller untersuchten Varianten übersteigen die heutigen Kosten des Energiesystems um 3,0 Mia. CHF/a bis 14,8 Mia. CHF/a. Die vielfach in den Medien verbreiteten Aussagen wonach ein klimaneutrales Energiesystems weniger als das heutige kosten soll, können nicht nachvollzogen werden. Die Energiewende ist nicht gratis.

Die Variante «Dachsolar» ist die einzige Variante die eine hohen Akzeptanz geniesst. Dies weil sie für die Stromproduktion grösstenteils auf die einzigen unumstrittenen Produktionstechnologie, die Gebäudephotovoltaik setzt. Abgesehen davon, dass das Potenzial der Gebäudephotovoltaik nicht ausreicht um eine sichere Stromversorgung der Schweiz zu gewährleisten, wäre die darauf basierende Variante «Dachsolar» mit Jahreskosten von 25,3 Mia. CHF/a die zweitteuerste aller Varianten.

Der Grund für das schlechte Abschneiden der Variante «Dachsolar» liegt beim grossen Anteil von Gebäudephotovoltaik. Diese Produktionstechnologie geniesst zwar die grösste gesellschaftliche Akzeptanz, ist jedoch aus technischer Sicht mit Abstand die schlechteste Lösung.

Gebäudephotovoltaik ist teurer als Wind- und alpine Solaranlagen und liefert dann am meisten Strom, wenn er nicht gebraucht wird. Trotzdem reicht ihr Ausbaupotenzial nicht aus um die Versorgungslücke im Winterhalbjahr zu decken. Um die Stromversorgung auch im Winter zuverlässig sicherstellen zu können, müssen zwingend auch gesellschaftlich umstrittene Wind- und alpine Solaranlagen zugebaut werden.

Mit der der Variante «Winterstrom» wird aufgezeigt wie eine ausgeglichene Jahresbilanz ohne Winterstromdefizit erreicht werden kann. Dabei wird statt der Gebäudephotovoltaik ein Mix aus Wasserkraft, Windenergie und alpiner Photovoltaik eingesetzt wird. Im Unterschied zur Variante «Energieperspektiven» ist die Variante «Winterstrom» technisch umsetzbar und mit 18,7 Mia. CHF/a 6,6 Mia. CHF/a billiger.

In der Variante «Saisonspeicherung» wurde untersucht ob der Sommerüberschuss der Gebäudephotovoltaik zur Deckung des Winterdefizits herangezogen werden kann. Dabei hat sich herausgestellt, dass für die saisonale Speicherung der Sommerüberschüsse die Speicherkapazität der schweizerischen Stauseen um fast das Dreifache erhöht werden müsste. Abgesehen von der rein hypothetischen Umsetzbarkeit hat die Variante «Saisonspeicherung» mit 26,9 Mia. CHF/a auch die höchsten Kostenfolgen.

Bei allen bisher genannten Varianten wird angenommen, dass das für den Flugverkehr benötigte klimaneutrale Synthesekerosin importiert werden kann. Ein solcher Import kommt einer Verlagerung der schweizerischen Klimaproblematik ins Ausland gleich. Deshalb wurde in der Variante «Selbstversorgung» untersucht welche Folgen eine inländische Kerosinsynthese hat.

Um die zusätzlich benötigten 52,0 TWh/a Strom zu produzieren muss das gesamte Ausbaupotenzial von Wasserkraft, Wind- und alpiner Solarenergie sowie ein Anteil der Gebäudephotovoltaik genutzt werden. Trotzdem ist die Variante «Selbstversorgung» mit Mit 21,1 Mia. CHF/a sogar 4,2 Mia. CHF/a günstiger als die Variante «Dachsolar».

Letztlich wurden zum Vergleich auch die Kosten eines Zurückkommens auf den Ausstieg aus der Kernenergie aufgeführt. Obwohl die Variante «Wiedereinstieg» auch die für die inländische Kerosinsynthese benötigte Strommenge abdeckt, ist sie mit 15,1 Mia. CHF/a mit Abstand die kostengünstigste aller Varianten. Gegen die Varante «Wiedereinstieg» spricht einzig die fundamentale Ablehnung der Kernenergie durch breite Kreise der Bevölkerung.

1 Kommentar zu «Variantenvergleich»

  1. Philippe Huber

    Es gibt keine fundamentale Ablehnung der Kernenergie durch breite Kreise der Bevölkerung. Es gibt eigentlich nur eine aktive Minderheit, die bei jeder Gelegenheit die Kernenergie verteufelt und behauptet, dass die PV viel günstiger ist. Die grosse Mehrheit der Politiker traut sich nicht dies widerzusprechen, aus Angst nicht mehr gewählt zu werden. Der Grossteil der Bevölkerung hat keine Ahnung über die Grössenordnungen (was ist eine TWh) und die Einheiten (Verwechslung von kW und kWh), sowie über die technischen Herausforderungen, um ein Stromnetz stabil zu halten.

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